Auf dem Hof zählt Schnelligkeit und Verlässlichkeit — besonders, wenn die RTK-Verbindung ausfällt und die Präzision für Feldarbeiten fehlt. Ich beschreibe hier, wie ich einen Trimble-RTK-Empfänger Schritt für Schritt selber diagnostiziere und oft auch repariere, ohne auf einen Servicetechniker warten zu müssen. Die Vorgehensweise ist praxisorientiert und richtet sich an Landwirtinnen, Werkstattpersonal und Maschinenführer, die sicher und systematisch Fehler eingrenzen wollen.
Vorbereitung: Sicherheit, Dokumentation und Werkzeuge
Bevor ich überhaupt anfasse, sorge ich für Sicherheit und Dokumentation. Notizen, Fotos und eine Checkliste sparen später Zeit.
Sicherheitsmaßnahmen: Zündung aus, Batterie abklemmen, erdung beachten, bei Arbeiten am Antennenmast Handschuhe und Brille.Dokumentation: Seriennummer, Firmware-Version (falls lesbar), Led-Zustand fotografieren, Kabelwege abbilden.Werkzeuge & Hilfsmittel: Multimeter, Spannungsprüfer, Schraubendreher, Kreuz- und Torx-Sätze, Isopropanol + Lappen, Druckluft, Ersatzkabel, Antennenadapter, Laptop mit Trimble-Software (z. B. Trimble Access oder Trimble GPS Status), Smartphone mit Hotspot, ggf. USB-Serial-Adapter.Sichtprüfung: Gehäuse, Anschlüsse und Antenne
Die schnellsten Fehler entdeckt man oft mit bloßem Auge. Ich beginne mit einer gründlichen Sichtprüfung.
Gehäuse auf Risse, Feuchtigkeitsspuren oder Verformungen prüfen — Wasser ist häufiger Übeltäter.Alle Steckverbindungen (Strom, Ethernet, CAN, Antenne, UHF-Radio) abziehen, Kontakte begutachten und reinigen.Antenne kontrollieren: Mastbefestigung, Kabelknicke, Manschetten, Korrosion an Koax-Steckern (TNC/BNC). Ein leichtes Ziehen am Kabel testet mechanische Festigkeit.Stromversorgung & Spannungscheck
Viele Probleme sind Stromprobleme. Trimble-Empfänger reagieren empfindlich auf Spannungseinbrüche.
Spannung an der Versorgungsquelle messen (Batterie, Bordnetz). Typischer Bereich: 12–24 V (Herstellerangabe prüfen).Spannung direkt an den Empfängeranschlüssen messen — oft fällt die Spannung in Verkabelungsstellen ab.Sicherungen prüfen — sowohl im Stecker als auch in der Anlagenleitung.LEDs, Boot-Vorgang und Fehlermeldungen auslesen
Die Status-LEDs liefern meist die ersten Hinweise. Ich dokumentiere das Blinkmuster und vergleiche mit dem Handbuch.
Power-LED, GPS-Signal, RTK-Fix, Radio-, Ethernet-LEDs beobachten.Falls möglich, mit Laptop via Ethernet oder serieller Verbindung anmelden und Log- oder Systemmeldungen auslesen.Bootloop oder gar kein Leben? → Firmware kann beschädigt sein; weiter unten Schritte zur Wiederherstellung.Verbindung zum Basisstations- oder NTRIP-Server prüfen
RTK-Ausfälle entstehen oft durch fehlende Korrekturen. Ich überprüfe die Kette systematisch.
Ist der Empfänger als Rover oder Base konfiguriert?Bei UHF-Radio: Sendeleistung, Frequenz, Antennenabgleich, Sichtverbindung, Einhaltung der gesetzlichen Frequenznutzung prüfen.Bei NTRIP/Internet: APN/Sim-Karte funktioniert? Datenvolumen? Firewall/Routersettings? Smartphone-Hotspot als Test verwenden.Test mit alternativer Korrekturquelle: eigenen Hotspot als NTRIP-Caster einrichten oder bekannte NTRIP-Provider testen.Signalqualität und Satellitenstatus analysieren
Genauere Diagnose erfolgt über Satellitendaten.
SNR/Carrier-to-Noise-Werte prüfen — niedrige Werte deuten auf Antennen- oder Abschattungseffekte hin.Mehrere GNSS-Systeme (GPS, GLONASS, Galileo, Beidou) aktivieren, falls Empfänger das unterstützt.Position der Antenne prüfen — nahe Lücken, Metallflächen oder Maschinenaufbauten stören.Hardware-Checks an Antenne und Kabeln
Koaxialkabel und Antenne sind häufige Fehlerquellen. Ich führe einfache Messungen durch.
Durchgangsprüfung des Koax mit Multimeter (Kurzschluss zwischen Innenleiter und Schirm?).Bei vorhandenem Antennen-Testrig oder SWR-Messgerät VSWR prüfen — hohe Werte = defekte Antenne oder schlechte Verbindung.Bei Verdacht auf Antennendefekt: Ersatzantenne anschließen und RTK-Status erneut prüfen.Firmware, Konfiguration und Logs
Softwareseitig lasse ich mich nicht vom ersten Eindruck täuschen. Oft hilft ein Update oder ein Zurücksetzen bestimmter Parameter.
Firmware-Version prüfen; Release-Notes lesen. Bei bekannten Bugs ggf. Downgrade auf stabile Version.Konfiguration sichern (Backup), bevor ich Änderungen mache.Konfigurationswerte prüfen: Baudrate (Serial), IP/Ethernet-Einstellungen, NTRIP-Zugangsdaten, RTCM-Ausgabeformate, Antennentyp/Offset.System-Logs exportieren und auf wiederkehrende Fehler (z. B. RTCM-Timeout, COM-Fehler) analysieren.Praktische Reparatur-Schritte
Je nach Fehlerbild wähle ich eine oder mehrere Maßnahmen:
Kabel ersetzen: defektes Koax oder Stromkabel austauschen.Stecker neu crimpen oder Teflonband/Dielektrikum erneuern.Feuchte im Gehäuse trocknen: Gerät geöffnet (Herstellerhinweise beachten), mit Druckluft und Isopropanol reinigen und mehrere Stunden an warmem, trockenem Ort trocknen lassen.Factory-Reset nur nach Backup und wenn andere Schritte nicht helfen — danach Konfiguration neu aufspielen.Firmware-Reimage: Mit originaler Trimble-Software Firmware neu einspielen (Vorsicht: korrekte Version und Unterbrechungen vermeiden).Checks nach der Reparatur — Validierung auf dem Feld
Nach allen Eingriffen teste ich unter echten Bedingungen:
RTK-Fix-Zeit messen: Wie schnell erreicht der Empfänger Fix? (Normalwert variiert, < 5–15 Minuten realistisch bei guten Bedingungen.)Positionsstabilität über mindestens 30 Minuten beobachten — Abweichungen und Sprünge notieren.Testfahrt mit Feldgerät: Spurführung beobachten, Logs auf Positionssprünge kontrollieren.Wenn das Problem bleibt: Eskalationspfad
Manchmal reicht mein Werkzeug nicht aus — dann gehe ich strukturiert weiter:
Test mit bekannter, funktionierender Basis/RTK-Quelle durchführen (Kollege/Hofnachbar).Support kontaktieren: Mit Fotos, Logs, Seriennummer, Firmware-Version und einer kurzen Beschreibung der bereits durchgeführten Schritte.Garantiefall erkennen: Schäden durch Blitz/Feuchtigkeit/Unsachgemäße Montage können ausgeschlossen werden.Praktische Tipps aus der Werkstattpraxis
Ein paar Regeln haben sich bei mir bewährt:
Immer Ersatzkabel und einen einfachen Ersatzempfänger parat haben — reduziert Ausfallzeiten.Regelmäßige Sichtprüfungen und Reinigungen der Antenne etwa alle 6–12 Monate.Logs regelmäßig sichern — bei sporadischen Problemen liefert ein Langzeitlog oft die Erklärung.Bei UHF immer Mindestabstand und Ausrichtung der Antennen beachten; Funkstörungen durch andere Geräte prüfen.| Checkpunkt | Was prüfen |
|---|
| Strom | Spannung an Quelle und Empfänger, Sicherungen |
| Antenne & Kabel | Sichtprüfung, Durchgang, SWR-Test, Ersatztest |
| Konfiguration | Rover/Base-Modus, NTRIP-Zugang, RTCM-Format |
| Software | Firmware-Version, Logs, Factory-Reset (nach Backup) |
| Feldtest | Fix-Zeit, Positionsstabilität, Testfahrt |
Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen eine ausdruckbare Checkliste im PDF-Format vorbereiten oder beim Auslesen von Logs helfen — schicken Sie mir einfach die entsprechenden Dateien. Auf dem Hof und in der Werkstatt zahlt sich ein systematisches Vorgehen aus: Meist lässt sich ein Trimble-Empfänger mit wenigen Handgriffen oder einem gezielten Austausch von Kabeln/Antennen wieder stabilisieren.