Ich habe kürzlich einen älteren Krone-Mähwagen nachgerüstet, um grundlegende Telemetrie zu erfassen, die Daten sicher lokal zu speichern und trotzdem betrieblich nutzbare Informationen zu erhalten – ohne teure Herstellerlösungen. In diesem Beitrag beschreibe ich meine Herangehensweise, die eingesetzten Komponenten, wie ich die Daten sicher gehalten habe und welche Auswertungen sich einfach im Betrieb nutzen lassen.
Warum lokal und günstig statt Cloud
Viele Herstellerlösungen speichern Daten in der Cloud. Für mich als Praktikerin zählen aber drei Dinge: Kontrolle über die Betriebsdaten, Datensicherheit/GDPR und Offline-Fähigkeit auf dem Hof. Außerdem wollte ich eine Lösung, die bei einem älteren Mähwagen technisch umsetzbar und wirtschaftlich ist. Deshalb habe ich mich für ein simples, robustes Telematikmodul gepaart mit einem lokalen Server (Raspberry Pi) entschieden.
Vorbereitung: Bestandsaufnahme am Mähwagen
Bevor ich irgendetwas angeschlossen habe, habe ich die vorhandene Elektrik und Sensorik geprüft:
Wichtig: Immer Batterie abklemmen, Sicherungen prüfen und Schaltpläne (sofern vorhanden) heranziehen. Bei Unsicherheit fachliche Hilfe in Anspruch nehmen – Kurzschlüsse an Hydraulikventilen oder Steuergeräten sind teuer.
Hardware-Setup: günstiges Telematikmodul + lokale Einheit
Meine Komponentenliste (mit ungefährem Preis in €):
| Komponente | Verwendung | Preis (ca.) |
| ESP32 + CAN-Transceiver (MCP2562 / SN65HVD230) | CAN-Interface, günstiges Telematikmodul | 30–50 |
| Raspberry Pi 4 (lokaler Server) | Datenlogger, MQTT-Broker, DB & UI | 50–80 |
| PiCAN2 HAT oder USB-CAN Adapter | Optional: saubere CAN-Anbindung | 30–70 |
| MicroSD + USB-SSD | Datenlagerung (lokal, verschlüsselbar) | 20–80 |
| Spannungswandler 12/24V → 5V | Stromversorgung Module | 10–20 |
| GPS-Modul | Positionsdaten (optional) | 15–40 |
| Gehäuse, Steckverbinder, Sicherungen | Robuster Einbau | 20–50 |
Gesamtkosten je nach Ausstattung ~150–350 € – deutlich günstiger als OEM-Telematik.
Software und Protokollwahl
Für die Kommunikation zwischen Modul und lokalem Server habe ich MQTT gewählt. Gründe:
Auf dem ESP32 läuft ein kleines Programm (Arduino/PlatformIO), das CAN-Frames liest, relevante Signale extrahiert (z. B. Drehzahl, PTO-Status, Füllstand, Geschwindigkeit) und als JSON via MQTT an den Raspberry Pi sendet. Der Pi betreibt Mosquitto (MQTT-Broker), InfluxDB (Zeitreihendaten) und Grafana zur Visualisierung. Alternativ kann man auch eine einfache CSV-Logdatei nutzen.
Anschluss an CAN oder Sensorik
Fall 1 – Maschine mit CAN:
Fall 2 – Maschine ohne CAN:
Daten lokal sicher speichern
Mein Ziel war: Daten auf dem Hof behalten, verschlüsselt und betrieblich nutzbar. Das habe ich so umgesetzt:
Betriebliche Nutzbarkeit der Telemetrie
Für den Einsatz auf dem Hof habe ich die Telemetrie so aufbereitet:
Datenschutz und rechtliche Hinweise
Auch bei lokal gespeicherten Betriebsdaten gilt: personenbezogene Daten (z. B. GPS-Logs, Fahrerkennungen) müssen datenschutzkonform behandelt werden. Praktisch heißt das:
Typische Herausforderungen und Lösungen
Ein paar Dinge, die mir begegnet sind, und wie ich sie gelöst habe:
Praxisbeispiel: ein typischer Einsatz
Beim ersten Feldtest habe ich PTO-Zyklen, Mähwagentakt und Füllstand getrackt. Ergebnis:
Die Lösung ist kein Komplettsystem eines OEM, aber sie liefert pragmatische, direkt nutzbare Daten, die sich in tägliche Arbeitsprozesse integrieren lassen – und das bei überschaubaren Kosten und voller Kontrolle über die Daten.
Wenn Sie möchten, kann ich in einem weiteren Beitrag die konkrete Firmware für ESP32, die MQTT-Topics-Struktur und ein vorkonfiguriertes Docker-Setup für Raspberry Pi mit InfluxDB/Grafana posten. Schreiben Sie mir gern, welche Signale bei Ihrem Mähwagen verfügbar sind, dann helfe ich bei der konkreten Umsetzung.