Wie rüste ich einen älteren amazone-sämaschinenanhänger mit isobus-teilbreitensteuerung nach und reduziere übersaatkosten

Wie rüste ich einen älteren amazone-sämaschinenanhänger mit isobus-teilbreitensteuerung nach und reduziere übersaatkosten

Ältere Amazone-Sämaschinenanhänger besitzen oft robuste Mechanik, aber ihnen fehlt die moderne Teilbreiten- und ISOBUS-Funktionalität, die heute viel Saatgut und Betriebskosten spart. In diesem Beitrag schildere ich, wie ich einen solchen Anhänger mit ISOBUS-Teilbreitensteuerung nachgerüstet habe und welche Maßnahmen ich gleichzeitig ergriffen habe, um Übersaatkosten zu reduzieren. Ich berichte praxisnah: was zu prüfen ist, welche Komponenten nötig sind, welche Kosten auf Sie zukommen können und welche Fallstricke Sie vermeiden sollten.

Warum Nachrüsten sinnvoll ist

Ich habe selbst erlebt, wie schnell unnötige Überlappungen bei der Aussaat Kosten und Saatgut verschlingen — besonders bei teuren Precision-Seed-Mischungen oder Saatgut mit begrenzter Verfügbarkeit. Eine ISOBUS-Teilbreitensteuerung spart Saatgut durch automatisches Schalten einzelner Teilbreiten an den Rändern von Fahrgassen oder beim Wenden. Zusätzlich ermöglicht ISOBUS eine zentrale Steuerung über das Traktorterminal und eine einfache Dokumentation der Aussaat.

Vorbereitung: Bestandsaufnahme und Kompatibilitätsprüfung

Bevor ich Teile bestelle, prüfe ich folgende Punkte am Anhänger:

  • Typ und Baujahr der Amazone-Sämaschine (z. B. AD, T- oder KE-Baureihen),
  • Vorhandene elektrische und hydraulische Anschlüsse,
  • Platzangebot für Steuergehäuse und Sensorik,
  • Mechanische Aufteilung der Arbeitsbreite in Segmenten (z. B. 6, 8 oder 12 Teilbreiten),
  • Dokumentation und Schaltplan, falls vorhanden.
  • Ich empfehle, Seriennummer und genaue Modellbezeichnung zu notieren — Amazonens Ersatzteilnummern und Kompatibilitätslisten sind sehr hilfreich. Fehlt eine Dokumentation, mache ich Fotos von Hydraulik- und Kabelverbindungen und messe die Teilbreiten auf.

    Komponenten, die ich nachgerüstet habe

    Für eine funktionierende ISOBUS-Teilbreitensteuerung brauchen Sie mindestens:

  • ISOBUS-Controller (VT/TC-fähig) — z. B. ein Universaltaskcontroller-Modul oder ein Amazone-kompatibles Steuergerät (je nach Modell empfehle ich Amazone AmaTron- oder ISOBUS-fähige Fremdsteuergeräte),
  • Teilbreitenventile oder elektrische Magnetventile — je nach Schaltprinzip der Maschine; oft sind elektrische Ventile einfacher nachzurüsten,
  • Section-Control-Kabelbaum — wetterfeste Steckverbindungen und Sicherungen,
  • GPS-Empfänger mit RTK-GNSS (optional, aber empfohlen) — für lückenlose Dokumentation und präzise Schaltpunkte; bereits ein EGNOS-fähiger Empfänger bringt Vorteile, RTK ermöglicht höchste Genauigkeit,
  • Sensorsatz für Fahrspur und Grunddaten — Drehzahlsensoren, Endschalter oder Weggeber zur Positionsbestimmung,
  • Terminals oder ISOBUS-Terminal im Traktor — falls der Traktor noch kein ISOBUS-Terminal hat,
  • Montagehalterungen, Kabelbinder, Schutzschläuche und Montagematerial.
  • KomponenteBeispiel / HinweisRichtpreis (€)
    ISOBUS-ControllerAmaTron/Universal-ISOBUS800–2.500
    Magnetventile (pro Stück)12V/24V, IP6730–80
    GPS / GNSS-EmpfängerEgnos bis RTK600–6.000
    Section-Kabelbaumkundenspezifisch150–800
    Installationsmaterial & SensorenHalteschellen, Geber100–400

    Die Preise variieren stark je nach Anforderungen. Für eine einfache Nachrüstung ohne RTK bin ich mit etwa 2.000–4.000 € inklusive Material und Eigenmontage realistisch unterwegs. Bei RTK und professioneller Integration können die Kosten deutlich steigen.

    Schritt-für-Schritt-Installation (praxisorientiert)

    So bin ich vorgegangen — als Leitfaden, nicht als endgültige Anleitung. Sicherheit: Batterie trennen, Maschine abstützen, Herstellerhinweise beachten.

  • 1. Mechanische Vorbereitung: Platz für das Steuergerät suchen (schützende Box), Halterungen für Ventile an der Maschine montieren.
  • 2. Elektrische Installation: Steuergerät mit Batterie und Hauptsicherung verbinden; alle Magnetventile über einen gemeinsamen CAN-Bus oder Steuerkabel an das Steuergerät anschließen.
  • 3. Hydraulik/Mechanik: Falls die Maschine elektromagnetische Ventile hat, entfällt oft hydraulischer Umbau. Andernfalls: Umstellung auf elektrische Steuerung oder Nutzung von elektromagnetisch schaltbaren Hydraulikventilen.
  • 4. GPS/Sensorik: GNSS-Empfänger montieren (hoch und frei sichtbar), Weggeber oder Zahnradgeber an einem geeigneten Antriebspunkt befestigen.
  • 5. CAN-Bus & ISOBUS: CAN-Leitungen sauber verlegen, Abschirmung beachten, Abschlusswiderstände prüfen. Terminal im Traktor anschließen und ISOBUS-Verbindung testen.
  • 6. Software/Parametrierung: Teilbreiten im Controller einmessen, Schaltpunkte (Overlap, Hysterese) einstellen, Saatmengenanzeige und Dokumentation aktivieren.
  • 7. Probefahrten: Im Feld kontrollierte Testfahrten mit niedriger Geschwindigkeit durchführen, Schaltverhalten an Kanten und beim Wenden beobachten.
  • Tipps zur Reduktion von Übersaatkosten

    ISOBUS-Teilbreitensteuerung alleine spart, aber kombiniert mit weiteren Maßnahmen wird es deutlich effizienter. Diese Maßnahmen habe ich parallel umgesetzt:

  • Feinjustierung der Überlappungen: Schaltpunkte mit Blick auf Hysterese so einstellen, dass beim Ein-/Ausschalten keine dicken Säwagen entstehen.
  • Verwendung von GPS-geleiteter Spurführung: Exakte Fahrspuren minimieren Längsüberlappungen.
  • Variable Saatmengensteuerung (VRC): Saatmenge zonenabhängig über ISOBUS steuern, abhängig von Bodenkarte oder Ertragsdaten.
  • Optimierung der Teilbreitenanzahl: Mehr Teilbreiten = feineres Schalten = weniger Übersaat. Abwägung: Mehr Teilbreiten = mehr Ventile/Kosten.
  • Wartung der Ausbringungstechnik: Gleichmäßige Verteilung verhindert lokale Überdosis; saubere Düsen und kalibrierte Fördersysteme sind Pflicht.
  • Praktische Fallstricke und wie ich sie gelöst habe

    Einige Probleme traten bei mir immer wieder auf — hier meine Lösungen:

  • Störanfällige Steckverbindungen: Ersatz durch industrielle M12-Stecker und Schrumpfschlauch.
  • Elektrische Interferenzen: CAN-Leitungen getrennt von starken Stromkabeln verlegen; Massepunkte absichern.
  • Kompabilitätsprobleme zwischen ISOBUS-Geräten: Firmware-Updates und Nutzung von Standard-ISOBUS-Funktionen (TC- und VT-Kompatibilität) lösten viele Probleme.
  • Unklare Dokumentation: Eigene Schemata zeichnen und farblich kodierte Kabel nutzen — das spart Zeit bei Wartung und Weiterverkäufen.
  • Praxisbeispiel: Ersparnisrechnung

    Bei einem 6 m Saatwerk mit 6 Teilbreiten und Saatgutpreis von 50 €/ha konnte ich durch ISOBUS-Teilbreitensteuerung und GPS-gesteuerte Spurführung eine Übersaatreduktion von ca. 8–12 % erzielen. Bei 200 ha wären das 800–1.200 € Einsparung pro Jahr — je nach Saatgutkosten und Überlappungsanteil kann das Nachrüsten sich schon nach wenigen Jahren amortisieren.

    Wenn Sie wollen, kann ich Ihnen helfen, eine konkrete Teileliste für Ihr spezifisches Amazone-Modell zusammenzustellen oder eine Kosten-Nutzen-Rechnung für Ihren Betrieb zu erstellen. Schreiben Sie mir dazu einfach die Modellbezeichnung und Ihre Betriebsdaten.


    Sie sollten auch die folgenden Nachrichten lesen:

    Reparatur & Wartung

    Wie installiere und kalibriere ich einen optischen saatgutzähler (z. b. seedeye) an einer kuhn-sämaschine für sofortige aussaatkontrolle

    16/01/2026

    Als Praktikerin, die regelmäßig Sämaschinen überprüft und optimiert, beschreibe ich hier Schritt für Schritt, wie ich einen optischen...

    Weiterlesen...
    Wie installiere und kalibriere ich einen optischen saatgutzähler (z. b. seedeye) an einer kuhn-sämaschine für sofortige aussaatkontrolle
    Nachhaltigkeit

    Wie reduziere ich Dieselverbrauch bei Feldarbeiten durch einfache Fahrtechniken und Maschinenanpassungen

    03/12/2025

    Als jemand, die regelmäßig Maschinen testet und auf Höfen arbeitet, sehe ich jeden Tag, wie viel Spielraum beim Dieselverbrauch liegt — allein...

    Weiterlesen...
    Wie reduziere ich Dieselverbrauch bei Feldarbeiten durch einfache Fahrtechniken und Maschinenanpassungen