Wie ich eine hardi‑feldspritze mit einem einfachen lora‑iot‑system nachrüste, um variable dosierung feldgenau zu steuern

Wie ich eine hardi‑feldspritze mit einem einfachen lora‑iot‑system nachrüste, um variable dosierung feldgenau zu steuern

Auf dem Feld habe ich immer wieder erlebt, dass klassische Feldequipment-Updates teuer und schwerfällig sind. Vor einem Jahr habe ich deshalb eine Hardi-Feldspritze mit einem einfachen LoRa‑IoT‑System nachgerüstet, um die Dosierung feldgenau und variabel zu steuern. In diesem Bericht beschreibe ich Schritt für Schritt, wie ich vorgegangen bin, welche Komponenten ich genutzt habe, welche Probleme aufgetreten sind und welche Ergebnisse ich auf dem Feld gesehen habe.

Warum LoRa und warum Nachrüstung?

LoRa (Long Range) bietet eine gute Reichweite und geringen Stromverbrauch — ideal für große Felder und batteriebetriebene Sensoren. Ich wollte keine teure Herstellerlösung, sondern ein flexibles System, das ich selbst installieren und anpassen kann: günstig, robust und mit offener Software kombinierbar (z. B. The Things Network, TTN). Ziel war variable Tanken/Dosierung auf Teilflächen (Variable Rate Application, VRA) basierend auf GPS‑Positionsdaten und vordefinierten Karten.

Übersicht der Komponenten

Für mein Setup habe ich folgende Grundkomponenten gebraucht:

  • LoRaWAN‑Gateway (stationär auf dem Hof oder mobil im Traktor)
  • LoRa‑Nodes für die Spritze (Microcontroller + LoRa‑Modul)
  • GPS‑Modul für Positionsdaten
  • Durchflussmesser bzw. Drucksensor zur Rückmeldung
  • Elektrisch angesteuerte Magnetventile oder proportionaler Fahrventil‑Aktuator
  • Zentrale Steuerung im Traktor (Tablet/Minipc mit MQTT/Backend) oder direkt HMI an der Spritze
  • Backend: TTN oder privates LoRaWAN + MQTT‑Broker + einfache VRA‑Logik (z. B. Node‑RED)
  • Ich habe bewusst preiswerte, aber bewährte Module genutzt: ESP32 + SX1276 LoRa‑Module für die Nodes, u‑blox NEO‑M8N GPS für präzise Position, und einen industriellen Reed‑Durchflussmesser (Impuls‑Ausgang). Als Gateway nutzte ich ein Kerlink/Dragino kompatibles Gerät—auf dem Hof alternativ ein Raspberry Pi mit IMST iC880a HAT.

    Hardware‑Aufbau an der Spritze

    Die Herausforderung war, die Spritzsteuerung sicher in den vorhandenen Hydraulik‑/Elektroaufbau zu integrieren, ohne Herstellersteuerungen zu verändern. Ich habe daher die Hardware extern installiert und die Spritzsektionen über zusätzliche Magnetventile gesteuert. Wichtige Schritte:

  • Montage der LoRa‑Node in einer wasserdichten Box (IP67) nahe am Ventilblock.
  • Anschluss des Durchflussmessers an die Node zur Erfassung der realen Ausbringmenge.
  • Einbau eines Druckmessers als zusätzliche Absicherung gegen Verstopfungen/Leckagen.
  • Elektrische Versorgung über die Bordspannung mit DC‑DC Wandler (12V → 5V) für stabile Elektronik‑Spannung.
  • Ich habe die Steuerleitungen zu den Magnetventilen mit Schutzrohr geführt und zusätzlich mechanische Notabschaltung (Schlüsselschalter) installiert—Sicherheit geht vor.

    Software, Kommunikation und Backend

    Kommunikation: Die Nodes senden regelmäßig Telemetrie (Position, Flow, Druck, Ventilstatus) per LoRaWAN an ein Gateway. Auf dem Gateway läuft ein PacketForwarder, der die Daten an TTN weiterleitet. TTN empfängt die Daten, dekodiert die Payload (ich nutze CayenneLPP‑kompatible Struktur) und leitet sie via MQTT an meinen lokalen Server.

    Backend & Logik:

  • MQTT Broker (Mosquitto) empfängt die Telemetrie.
  • Node‑RED verarbeitet Nachrichten, vergleicht aktuelle GPS‑Position mit VRA‑Karten (GeoJSON/Shape‑Dateien) und entscheidet die Zielmenge.
  • Node‑RED sendet Steuerbefehle zurück an die betreffende Node (Downlink) zur Anpassung der Ventilöffnung.
  • Für die Kartenverwaltung habe ich QGIS verwendet, um Zonen mit Sollmengen zu erstellen, die ich als GeoJSON exportiere. Die Zonen lade ich in Node‑RED und kann sie vor der Fahrt noch am Tablet anpassen.

    Kalibrierung und Regelalgorithmen

    Eine sorgfältige Kalibrierung ist entscheidend. Ich habe in mehreren Schritten kalibriert:

  • Durchflussmesser kalibrieren: Liter/Impuls manuell messen und in der Node hinterlegen.
  • Ventilansprechzeit bestimmen: Wie lange benötigt das Magnetventil, um von 0 → 100 % zu wechseln?
  • Regelung: In meinem ersten Prototyp regele ich stufig (Sektion auf/zu). Später habe ich mit Pulsweitenmodulation (PWM) experimentiert, um feinere Dosierung zu erreichen, wenn ein proportionales Ventil vorhanden ist.
  • Da LoRaWAN Downlinks limitiert sind, nutze ich einfache Befehle (Setzt Sollwert X) und lasse die Node lokal einen PI‑Regler laufen, der Durchfluss und Sollwert vergleicht. So reduziert sich der Downlinkbedarf und die Reaktion bleibt schnell.

    Tests im Feld und Ergebnisse

    Die ersten Feldtests waren lehrreich: Verzögerungen bei Downlinks, GPS‑Genauigkeit in randständigen Feldbereichen und die Notwendigkeit redundanter Messwerte (Flow + Druck). Nach Anpassungen zeigte das System aber gute Resultate:

  • Reduzierter Chemieeinsatz in Niedrigbedarfszonen um bis zu 20 %.
  • Gleichmäßigere Überlappungen an Feldrändern—weniger Doppelbehandlungen.
  • Robuste Funkverbindung auf 200–500 ha Flächen bei stationärem Gateway.
  • Wichtig: Bei Wind und Spritzzwecken muss die Fahrgeschwindigkeit immer in die Dosierungsberechnung einfließen. Die Node liest die Geschwindigkeit vom Traktor‑CAN (wenn verfügbar) oder schätzt sie aus GPS‑Trackdaten.

    Regulatorische und sicherheitstechnische Aspekte

    Bei nachgerüsteten Systemen müssen Zulassungen und Sicherheitsvorgaben beachtet werden. Ich habe folgende Punkte berücksichtigt:

  • Die nachgerüstete Steuerung darf die Originalsicherheitsfunktionen des Fahrzeugs nicht umgehen.
  • Dokumentation der Änderungen und klare Beschriftung der Nachrüstungen.
  • Elektrische Schutzmaßnahmen (Sicherung, Überspannungsschutz).
  • Gewährleistung der Rückstellung auf manuelle Steuerung jederzeit (Notaus, mechanischer Hebel).
  • Typische Probleme und meine Lösungen

    Einige Probleme, die ich löste:

  • Intermittierende LoRa‑Verbindung: Gateway höher positioniert und Antenne optimiert.
  • Fehlende Feinsteuerung: Ein proportionales Ventil oder zusätzliche PWM‑Schnittstelle hilft.
  • GPS‑Ungenauigkeit an Feldrändern: RTK‑GPS ist die sauberste, aber teurere Lösung; z.T. half eine doppelte Positionsabfrage und Filterung.
  • Downlink‑Limit von LoRaWAN: Viel Logik lokal auf der Node ausführen, nur Sollwerte per Downlink senden.
  • Tabelle: Komponenten, Modelle und grobe Kosten

    KomponenteBeispiel/ModellKosten (ca.)
    LoRaWAN‑GatewayKerlink/Dragino/Raspberry Pi + iC880a300–1500 €
    Node (ESP32 + SX1276)Eigenbau/Heltec/Lopy20–80 €
    GPS‑Modulu‑blox NEO‑M8N60–200 €
    DurchflussmesserReed/Impuls‑Typ50–200 €
    Magnetventile / proport. VentilHardi‑kompatible Ventile50–600 € pro Sektion
    Backend (Server/Software)Raspberry Pi, Node‑RED, Mosquitto, TTN50–200 €

    Tipps für Praktiker

  • Starte klein: Eine Sektion und ein Flow‑Sensor reichen für den ersten Test.
  • Führe alle Tests ohne Wirkstoff (nur Wasser) durch, bevor du mit Pflanzenschutz oder Dünger arbeitest.
  • Sichere die Daten: Telemetrie lohnt sich auch zur Fehleranalyse später.
  • Denk modular: Wenn später ein Hersteller‑ISOBUS‑Terminal angeschlossen werden soll, plane dafür Schnittstellen.
  • Das Nachrüsten einer Hardi‑Feldspritze mit einem einfachen LoRa‑IoT‑System ist technisch gut machbar und bringt klare Vorteile in Effizienz und Ressourcenschonung. Es erfordert aber sorgfältige Planung, Kalibrierung und die Beachtung sicherheitsrelevanter Vorgaben. Wenn ihr möchtet, kann ich in einem Follow‑Up einen konkreten Schaltplan und den Node‑Code (ESP32) teilen sowie die Node‑RED‑Flows bereitstellen.


    Sie sollten auch die folgenden Nachrichten lesen:

    Reparatur & Wartung

    Wie erkenne und behebe ich schleichende spannungsfehler in e‑traktor batteriepaketen mit einem einfachen messprotokoll

    06/10/2026

    Warum schleichende Spannungsfehler gefährlich sind — und wie ich sie erkenneSchleichende Spannungsfehler in Batteriepaketen von E‑Traktoren sind...

    Weiterlesen...
    Wie erkenne und behebe ich schleichende spannungsfehler in e‑traktor batteriepaketen mit einem einfachen messprotokoll
    Software

    Wie ich farmos und einen lokalen nextcloud‑server vernetze, um fördernachweise dsgvo‑konform zu automatisieren

    19/09/2026

    Fördernachweise automatisiert und DSGVO‑konform ablegen — das ist ein Thema, das mich in der täglichen Arbeit auf Höfen und beim Testen von...

    Weiterlesen...
    Wie ich farmos und einen lokalen nextcloud‑server vernetze, um fördernachweise dsgvo‑konform zu automatisieren